Die Blutzellen

  • Blutstammzellen können alle Zellen des Blutes bilden.
  • Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) sorgen für den Sauerstofftransport.
  • Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) dienen der Immunabwehr.
  • Blutplättchen (Thrombozyten) bewirken die Blutgerinnung.

Blutstammzellen und Blutbildung

Die Blutbildung ist ein komplexes Thema, das nicht ganz einfach zu verstehen ist. Ohne gewisse Grundlagen ist es allerdings schwierig, Ursachen und Behandlung einer hämatologischen Erkrankung nachvollziehen zu können. Die nachfolgenden Informationen beschränken sich an dieser Stelle auf die wesentlichen Zusammenhänge.

Die Blutbildung (Hämatopoese) ist ein streng hierarchisches System. An der Spitze dieses Systems sitzen sogenannte Blutstammzellen, eine winzig kleine Zellgruppe im Knochenmark. Sie besitzen die einzigartigen Fähigkeiten, sich erstens selbst zu erneuern und zweitens alle Typen von reifen Blutzellen zu bilden. Die Blutstammzelle kann sich schrittweise über mehrere Vorstufen in ein rotes Blutkörperchen (Erythrozyt), ein weißes Blutkörperchen (Leukozyt) oder ein Blutplättchen (Thrombozyt) entwickeln.

Bei der Blutbildung unterscheidet man grundsätzlich zwei sogenannte Entwicklungslinien: die myeloische und die lymphatische Zelllinie. Die myeloischen Zellen – dazu zählen die roten Blutkörperchen, die Blutplättchen und ein Teil der weißen Blutkörperchen – reifen im Knochenmark aus (Myelopoese). Die vollständige Ausreifung der lymphatischen Zellen – bestimmte weiße Blutkörperchen die man gesammelt Lymphozyten nennt – erfolgt erst im lymphatischen System (Lymphopoese). Eine Mischung stellen die sogenannten dendritischen Zellen dar. Sie können sich sowohl aus myeloischen als auch lymphatischen Vorläuferzellen entwickeln. Die Steuerung der Blutbildung ist äußerst komplex, wie die Grafik unten zeigt. Einfluss auf die Blutbildung haben unter anderem die Zellen des roten Knochenmarks und diverse Botenstoffe. Kommt es zu Störungen bei der Heranreifung – und auch das kann von einer Stammzelle ausgehen –, können Krankheiten wie Leukämien entstehen.

Abbildung: Die Blutbildung aus Stammzellen

Rote und weiße Blutkörperchen und Blutplättchen

Grob gesagt können die Blutstammzellen zu drei Typen von Zellen heranreifen: rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen.

Die große Mehrzahl nehmen die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) ein, sie sind unter anderem für den Transport von Sauerstoff zuständig. Ihr Anteil am Gesamtblut liegt bei ca. 43 %. Dagegen liegt der Anteil der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die zur Immunabwehr gehören, an der Blutmenge eines gesunden Erwachsenen bei nur etwa 1 %. Von den Leukozyten gibt es mehrere, sehr unterschiedliche Arten, darunter Granulozyten, Lymphozyten und Monozyten. Die für die Blutgerinnung und den Wundabschluss zuständigen Blutplättchen (Thrombozyten) machen ebenfalls rund 1 % der Blutmenge aus.

Die zahlenmäßig stärkste Gruppe der Blutzellen sind die roten Blutkörperchen. Es folgen mit großem Abstand die weißen Blutkörperchen (mit ihren verschiedenen Zellarten) und die Blutplättchen.

Definition: Rote, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen

Rote Blutkörperchen

Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) binden Sauerstoff

Rote Blutkörperchen sehen aus wie Scheiben mit dellenförmigen Vertiefungen oben und unten. Sie haben keinen Zellkern. Daher können sie sich leicht verformen und auch durch kleine Zwischenräume „schlüpfen“.
In den Blutgefäßen der Lunge wird der Sauerstoff aus der Luft herausgefiltert und über den Blutstrom in alle Bereiche des Körpers transportiert. Die roten Blutkörperchen enthalten dafür den eisenhaltigen, roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Hämoglobin ist in der Lage, Sauerstoffmoleküle zu binden. Auf diese Weise können die roten Blutkörperchen den Sauerstoff von der Lunge in Gewebe und Körperzellen transportieren. Der sogenannte Hämoglobin(Hb)-Wert kann ermittelt werden, um beispielsweise eine Anämie (umgangssprachlich Blutmangel genannt) festzustellen. Diese kann verursacht sein durch einen Mangel an Hämoglobin oder an roten Blutkörperchen.

Erythrozyten

Rote Blutkörperchen enthalten Hämoglobin, das Sauerstoff transportieren kann

Abb.: Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sehen aus wie eingedellte Scheiben. Sie besitzen keinen Zellkern und können sich leicht verformen. Das in ihnen enthaltene Hämoglobin kann Sauerstoff transportieren.

Weiße Blutkörperchen

Verschiedene Typen von weißen Blutkörperchen (Leukozyten)

Die weißen Blutkörperchen verfügen über einen Zellkern, sie enthalten kein Hämoglobin und sind vor allem für die Immunabwehr zuständig. Der Begriff weiße Blutkörperchen umfasst eine Reihe von spezialisierten Zellen: sogenannte dendritische Zellen, Mastozyten, Granulozyten (eosinophile, neutrophile und basophile), Lymphozyten (T-Zellen, B-Zellen und NK-Zellen) und Monozyten, aus denen Makrophagen und ein Teil der dendritischen Zellen hervorgehen.

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) sorgen für die Immunabwehr

Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) gehören zum Immunsystem. Das heißt, sie mobilisieren die Abwehr gegen Fremdkörper wie Bakterien und Viren, von denen wir tagtäglich umgeben sind. Bei einem Mangel an gesunden weißen Blutkörperchen ist die Immunabwehr beeinträchtigt.

Leukozyten

Weiße Blutkörperchen bestehen aus Granulozyten (links oben), Lymphozyten (rechts oben) und Monozyten (unten)

Die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) unterteilen sich in drei verschiedene Arten, die unter dem Mikroskop ein unterschiedliches Aussehen haben. Granulozyten erkennt man an den kleinen Körnchen im Zellinneren.

Blutplättchen

Blutplättchen (Thrombozyten) sorgen mit für den Wundverschluss

Die Blutplättchen übernehmen die erste Phase der Blutgerinnung: Sie stoppen die Blutung, indem sie miteinander „verkleben“, und bilden einen Pfropf auf der Wunde, sie helfen also dabei, die Wunde zu verschließen. Eiweiße im Blut stellen die sogenannten Gerinnungsfaktoren dar. Blutplättchen sind viel kleiner als rote Blutkörperchen, sie besitzen keinen Zellkern und sehen aus wie kleine Scheiben. Ein Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie) kann gefährlich sein. Dies kann zu – auch inneren – Blutungen führen.

Thrombozyten

Blutplättchen (Thrombozyten) sorgen für den Blutungsstillstand

Blutplättchen sind wesentlich kleiner als rote Blutkörperchen. Sie sehen aus wie kleine Scheiben und haben keinen Zellkern. Thrombozyten besitzen die Fähigkeit, zu verkleben. Sie lagern sich an der verletzten Gefäßwand aneinander und bilden einen Pfropf. Dies lässt die Blutung zum Stillstand kommen.